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Internationaler Jugendkongress diskutiert die Perspektiven der Biotechnologie und formuliert Erwartungen an die Politik

Mit einem Planspiel zu den gesellschaftlichen und ökologischen Auswirkungen der modernen Biotechnologie beteiligte sich die Forschungsgruppe Jugend und Europa an dem europäischen Jugendkongress "Our Common Future", der vom 6. – 11. August 2000 im Kontext der EXPO und unter Schirmherrschaft der EU-Umweltkommissarin Margot Wallström stattfand.

Eine Woche lang diskutierten in Hannover über 300 Jugendliche aus rund dreißig Ländern in themenbezogenen Workshops über das Leitbild einer Nachhaltigen Entwicklung. Im Anschluss formulierten sie ihre Erwartungen an Politik, Wirtschaft und Forschung. Rund 50 Jugendliche im Alter von 17 bis 28 Jahren nahmen an dem Planspiel teil.

Der Hintergrund: Die moderne Biotechnologie wird künftig die besonders sensiblen, weil lebensnotwendigen Bereiche Gesundheit, Ernährung und Umwelt durchdringen. Die zunehmende wirtschaftliche Bedeutung auf der einen und die Angst vor ihren Risiken auf der anderen Seite, haben insbesondere den prominentesten Zweig der modernen Biotechnologie, die Gentechnologie – gleich ob es um gentechnisch veränderte Lebensmittel, ethische Fragen der Humangenetik oder patentrechtliche Ansprüche an modifizierten Organismen geht – zum Gegenstand öffentlicher Kontroversen gemacht.

Der Umstand, dass sich nur zwölf Prozent der EU-Bürger ausreichend über die Gentechnik informiert fühlen, belegt den Vermittlungsbedarf. Welchen Nutzen können wir uns von der Biotechnologie in der Medizin, in der Landwirtschaft, der Ernährung oder zur Entwicklung neuer umweltverträglicher Werkstoffe und Produktionsverfahren erwarten? Wie lassen sich die Möglichkeiten der Biotechnologie nutzen und gleichzeitig Risiken, neue Abhängigkeiten und gesellschaftliche Gräben vermeiden? Und was kann Politik, zumal europäische Politik dazu beitragen?

Mit diesen Fragen beschäftigten sich – ausgehend von einem realitätsnahen Verhandlungsszenario – die Teilnehmer des Planspiels. Die Teilnehmer übernahmen für die Dauer des Planspiels Rollen von politischen Akteuren, z.B. als Vertreter eines EU-Mitgliedstaates im Rat, als Abgeordneter des Europäischen Parlaments, als Repräsentant der Biotech-Industrie oder eines Umweltverbandes. Auf der Grundlage von individuellen Rollenprofilen, Hintergrundinformationen und durch die "Verhandlungen" in den EU-Gremien erhielten die Spieler Zugang zu unterschiedlichen Blickwinkeln, Betroffenheiten und Interessenlagen.

Voraussetzung für eine sachliche Abwägung, Diskussion und Bildung einer persönlichen Meinung. In einem Punkt setzten die Akteure des Planspiels bereits neue Standards: Einzige Arbeitsprache war Englisch.

Im Anschluss an das Planspiel formulierten die Jugendlichen ihre Erwartungen. Diese flossen in eine Resolution des Kongresses ein und wurden inzwischen an über zwanzig europäische Regierungen weitergeleitet. Anliegen waren u.a., dass sich die Forschung im Bereich der Biotechnologie – zumal wenn sie mit öffentlichen Mitteln gefördert wird – stärker an den tatsächlichen gesellschaftlichen Bedarfslagen orientiert und dass das Vorsorgeprinzip in der Regulierung der Biotechnologie klar definiert und konsequent angewendet wird.

In bezug auf die Landwirtschaft wurden von den Teilnehmern die Gefahren zunehmender Monokulturen und eines weiteren Rückgangs der Artenvielfalt in den Vordergrund gerückt – die Anwendung der Biotechnologie dürfe nicht die Fehler der Chemie wiederholen. Eine freiwillige Kennzeichnung gentechnisch veränderter Produkte und mehr Informationen forderten die Jugendlichen von den Unternehmen.

Das Planspiel zur Biotechnologie ist ein Baustein des Materialienbandes "Mensch und Technik im Europa von Morgen – Planspiel zur ökologischen Nachhaltigkeit in der Praxis", den die Forschungsgruppe Jugend und Europa in Kooperation mit der Landeszentrale für politische Bildung Niedersachsen entwickelt hat und der voraussichtlich Anfang Juli 2001 erscheinen wird. Durchgeführt wurde das Planspiel von Referenten des "Juniorteam Europa", das – basierend auf dem Ansatz der "peer group education" – unter der wissenschaftlichen Betreuung der Forschungsgruppe Jugend und Europa Seminare und Methoden der europabezogenen politischen Bildung konzipiert und umsetzt.


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