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R ü c k b l i c k"Europa ist für uns Zukunft, nicht Vergangenheitsbewältigung"Auftakt für das tschechische Juniorteam Evropa und die Übersetzung des Planspiels "Europa neu gestalten" im Prager Senat
Nachdem ein erster Testlauf der Adaption des Planspiels, das sich mit den Herausforderungen und Chancen des zusammenwachsenden Europas auseinandersetzt, bereits im April mit 30 Schülern aus Jihlava durchgeführt und das Manuskript dann in den folgenden Monaten noch einmal überarbeitet und aktualisiert wurde, spielten im Prager Senat dieses Mal 25 Schüler aus Deutschland und 25 aus Tschechien in der Rolle als Vertreter der EU-Mitgliedstaaten oder der Beitrittsländer, Abgeordnete des Europäischen Parlament und Vertreter der EU-Kommission die Beitrittsverhandlungen in vereinfachter Form durch
Senatspräsident und Schirmherr der Veranstaltung Petr Pithart, der den Abschluss der Verhandlungen mit verfolgte, zeigte sich von der Planspielmethode beeindruckt. Mit Hilfe dieses Ansatzes ließen sich die komplexen Fragestellungen anschaulich vermitteln, die sich im Zuge des Beitritts seines Landes zur EU stellen, so Pithart. Bei der Veranstaltung wurde auch der neue Referentenpool "Juniorteam Evropa" vorgestellt. In Kooperation mit der Koordinierungsstelle für den deutsch-tschechischen Jugendaustausch, Tandem e.V., und dem Europahaus Jihlava sowie mit finanzieller Unterstützung der Delegation der EU-Kommission in Prag hat die FGJE in diesem Jahr 22 junge Teamer aus den verschiedenen Regionen Tschechiens ausgebildet und mit Themen und Methoden der europabezogenen politischen Bildungsarbeit vertraut gemacht. Die neuausgebildeten Teamer des Juniorteam Evropa, dass sich an dem Vorbild des deutschen, seit 1997 bestehenden Juniorteam Europa orientiert, stehen künftig für Seminarangebote in Tschechien sowie grenzüberschreitende Veranstaltungen zur Verfügung.
In den Verhandlungen im Rahmen des Planspiels im Prager Senat standen die Kosten der Erweiterung, Freizügigkeit und Arbeitsmarktreformen, Umweltthemen und Minderheitenfragen im Vordergrund. Die Benes Dekrete spielten in den Verhandlungen hingegen keine Rolle. Eine Schülerin aus Weiden, die Tschechien in dem Planspiel vertreten hatte, brachte es so auf den Punkt: "Europa ist für uns eine Zukunftsperspektive, nicht Vergangen-heitsbewältigung". "Ich habe in der kurzen Zeit viel über Europa gelernt, unter anderem, wie schwierig es ist, angesichts der vielen unterschiedlichen Interessen zu einer Entscheidung zu kommen", kommentierte eine tschechische Schülerin den Verlauf des Planspiels. Ein Teamer, der den Verlauf des Planspiels beobachtete und dieses Jahr in Tschechien ausgebildet wurde, fügte hinzu: "Es ist spannend, dass das Planspiel jedesmal eine andere Dynamik entwickelt." Das zeige auch, dass Politik stark von den beteiligten Persönlichkeiten abhänge.
In der sich an das Planspiel anschließenden Diskussion mit den Jugendlichen sprach sich Petr Pithart mit Blick auf den EU-Gipfel im Dezember in Kopenhagen dafür aus, dass die EU 2004 bereits eine möglichst große Zahl der Beitrittsländer aufnehmen solle. Insbesondere eine spätere Aufnahme der Slowakei wie innerhalb des Planspiels aus finanziellen Gründen und der in den Augen der Teilnehmenden noch ungefestigten demokratischen Strukturen und ungeklärter Minderheitenfragen in der Slowakei von den Jugendlichen beschlossen würde für Tschechien große Probleme mit sich bringen
So ging es im fließenden Übergang vom Spiel zu einer lebendigen Debatte über die aktuellen Herausforderungen, die für die geplante Erweiterung der EU um zehn Länder im Jahr 2004 noch aus dem Weg geräumt werden müssen. Der Dialog hatte dabei nichts von der oft üblichen Distanz junger Menschen zur Politik. "Wir wurden ernst genommen", resümierte eine tschechische Teilnehmerin, "es war gut, dass Pithart sich über eine Stunde für die Diskussion unserer Ideen Zeit genommen hat".
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