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R ü c k b l i c k
Deutsch-tschechischer Planspielgipfel
mit Günther Verheugen
"Ich möchte nie im Leben Kommissionspräsidentin werden.
An was man da alles denken muss!", stöhnt die 18-jährige
Anke Reichel alias Kommissionspräsidentin Jonah McGovern nach stundenlangen
Verhandlungen um den EU-Beitritt der Slowakei. Vom 21.-23. Mai schlüpften
52 SchülerInnen aus Bayern, Böhmen und Sachsen im oberfränkischen
Hof in die Rolle von Politikern der Europäischen Union und verhandelten
als tschechischer Ministerpräsident oder EU- Parlamentarier über
Beitrittsbedingungen und Strukturfonds. Höhepunkt der Politiksimulation
war dann die Realität: EU-Kommissar Günter Verheugen kam zum
Gespräch mit den SchülernInnen nach Hof.

Die Spielregeln sind klar: Der Europäischen Union dürfen nur
Länder beitreten, die ein demokratisches System und eine funktionierende
Marktwirtschaft haben, die Menschenrechte achten und die EU-Rechtsnormen
übernehmen wollen. Im Zeitraffer spielen die Jugendlichen die Rollen
der politischen Akteure. Die Slowakei, Estland, Tschechien und Kroatien
hatten in den drei Tagen in Hof die Chance, das zu erreichen, wofür
in Brüssel fast zehn Jahre Verhandlungen notwendig waren. Anke Reichel
hatte sich "Politik machen einfacher vorgestellt. "Man
hat dabei soviel Verantwortung, es geht ja nicht einfach um Länder,
sondern auch um die Menschen, die dort leben." Bisher hat sie, wie
die meisten anderen TeilnehmerInnen auch, die EU-Politik eher am Rande
verfolgt. Sie interessiert sich aufgrund der Nähe zu Tschechien noch
am ehesten für diesen neuen Nachbarn.
Viele SchülerInnen haben sich in Hof überhaupt zum ersten Mal
mit den europäischen Institutionen vertraut gemacht. Die Jugendlichen
aus beiden Ländern waren sich einig: Das EU-Planspiel ist die beste
Methode, in so kurzer Zeit so viel über die EU zu erfahren. "Das
ist viel spannender als Unterricht, nicht so trocken und man schläft
dabei nicht ein", so das Fazit der GymnasiastInnen.

Beim Erfahrungsaustausch der jungen PolitikerInnen mit EU-Kommissar
Günter Verheugen ergänzten sich Spiel und Realität: EU-Kommissionspräsidentin
Jonah McGovern alias Anke Reichel musste Verheugen erläutern, warum
die Slowakei im Planspiel nicht beitreten durfte. Das Land war am unzureichenden
Umgang mit der Roma-Minderheit und den schlechten Wirtschaftsdaten gescheitert.
Eine Entscheidung, die Günter Verheugen kritisch sah. ,,Ich hätte
die Slowakei nicht rausgeworfen." Verheugen schilderte seine Vorgehensweise,
um politische Ziele zu erreichen. Ich habe den Ministerpräsidenten
recht unsanft gezwungen, mit mir die schlimmsten Roma-Siedlungen zu besuchen
- vor laufenden Kameras der internationalen Medien.'' Von da an habe auch
die slowakische Führung zugegeben, dass es ein Problem mit der Roma-Minderheit
gebe und Verbesserungen eingeleitet. Günter Verheugen erklärte
den SchülerInnen seine generelle Strategie bei den Beitrittsverhandlungen:
"Ich habe immer versucht, Situationen herbeizuführen, in denen
es politisch unkorrekt gewesen wäre, Nein zu sagen. Wer sich als
politisches Schwein fühlt, wenn er Nein sagt, der wird Ja sagen.''
Auf diese Weise habe er oft die notwendige Einstimmigkeit der 15 bisherigen
EU-Staaten erzwingen müssen.
Der Planspielgipfel in Hof wurde in Kooperation
mit dem Deutsch-tschechischen Informations- und Dokumentationszentrums
IDOR und Koordinationszentrum
deutsch-tschechischer Jugendaustausch TANDEM
durchgeführt.
>> Übersicht
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