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Europa direkt

Wissen - Kompetenz - Engagement

Kurzbericht zum Qualifizierungsseminar in München
vom 11. bis 17. Dezember 2004

Für 15 junge Menschen aus Mittel und Osteuropa, die sich beim Theodor-Heuss-Kolleg der Robert Bosch Stiftung oder bei den Jungen Europäischen Föderalisten engagieren, fand im Dezember letzten Jahres dieses Motto praktische Anwendung. Die Forschungsgruppe Jugend und Europa im Auftrag Europa Union Deutschland eine Qualifizierungs-veranstaltung zur Stärkung der Europakompetenzen konzipiert und durchgeführt.

Europa-Kompetenzen
Im Zentrum dieses Fortbildungsangebots stand die Vermittlung von Europa-Kompetenzen, also denjenigen Fähigkeiten, die junge Menschen in Europa brauchen, um sich an den zahlreichen Möglichkeiten auch tatsächlich beteiligen zu können. Engagement, gerade auf europäischen Ebene, wird mit der voranschreitenden Integration zunehmend anspruchsvoller und schwieriger. Die Erweiterung der EU um zehn neue Mitglieder verstärkt diese Tendenz zusätzlich. Der europäische Einigungsprozess kann jedoch nur durch eine aktive Beteiligung der Bevölkerung und besonders der Jugendlichen gelingen. Hierzu ist jedoch eine spezielle Qualifizierung im Hinblick auf kognitive Fähigkeiten vonnöten ebenso wie hinsichtlich adäquater Handlungs-, Kommunikations- und Vermittlungskompetenz. Europakompetenz umfasst jedoch auch eine Reihe von „soft skills“ wie die Befürwortung von Vielfalt, Interkulturalität, Toleranz sowie grenzüberschreitendes Denken und die Bereitschaft zum Dialog. Denn „Europa ist nicht einfach da, sondern Europa ist im Kopf“, wie es einer der Teilnehmenden nicht hätte treffender ausdrücken können. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer brachten bereits viele dieser Kompetenzen ein, die sie in ihrem bisherigen Engagement erworben hatten. Hinzu kam die Internationalität der Gruppe, die Teilnehmenden kamen aus Bulgarien, Deutschland, Georgien, Österreich, Polen, aus der Republik Moldau und Russland, so dass die Bedeutung von Europa-Kompetenz weit über die Grenzen der neuen EU verstanden wurde und eine enge, rein politische Definition, die Europa auf die Europäische Union reduziert, als wenig nützlich erachtet wurde.

Pädagogischer Ansatz
Das Seminarkonzept der Forschungsgruppe Jugend und Europa umfasst mehrere Schritte, die die Teilnehmenden qualifizieren, vor Ort und in eigener Regie Seminare zu Europathemen zu konzipieren und durchzuführen. Dieser Anspruch, der die Teilnehmenden zur Entwicklung eigener Konzepte und selbstständiger Herangehensweisen befähigt, entspricht der grundsätzlich partizipativ ausgerichteten Arbeitsweise der Forschungsgruppe Jugend und Europa. Den Teilnehmenden wird dabei sowohl theoretisches Grundlagenwissen als auch praktisches Wissen vermittelt, das sie zu peer group Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der europabezogenen Bildungsarbeit ausbildet. Die Inhalte werden jedoch weitgehend von den Teilnehmenden selbst bestimmt und eigenständig erarbeitet. Des weiteren umfasst der Bildungsansatz dieses Qualifizierungsprogramms die direkte Auseinandersetzung mit der realen Politik und mit politischen Akteuren mit ein. Dieser Teil der Ausbildung diente neben der Schulung von Dialogkompetenz dazu, den Teilnehmenden Perspektiven für ihr weiteres Engagement aufzuzeigen.

 

Seminarprogramm

München - bürgerschaftliches Engagement
in Vergangenheit und Gegenwart

Das Seminar begann mit einem Blick zurück in die Vergangenheit während des Stadtspaziergangs zum Thema „Mut, Werte, Engagement. Auf den Spuren der Geschwister Scholl“. In der anschließenden Diskussion wurde dieser Impuls genutzt, um eine kritische Reflexion zwischen dem Engagement Jugendlicher für Europa „gestern“ und „heute“ herbeizuführen und die Motivation und jeweilige individuelle Wertbindung von gesellschaftlichem Engagement auszuleuchten.

Europa - persönliche, gesellschaftliche
und politische Herausforderung

Hier schloss sich am Tag darauf eine Auseinandersetzung mit Europa auf der persönlichen Ebene an. In der Einheit „Europa meine Chance“ setzten sich die Teilnehmenden mit ihren Erwartungen an Europa, den eigenen Zielen in Europa und ihrer eigenen Definition von Europa auseinander. Daran anknüpfend hinterfragten sie auch politikwissenschaftliche Europatheorien. In der Einheit „Europa - die politische Idee“ stellte sich die Biographie und das Engagement von Jean Monnet als besonders einprägsam dargestellt.

Europa vermitteln - Ziele, Inhalte, Methoden
Am dritten Tag kamen die Teilnehmenden als Seminarleitende selbst zum Zug. Voraussetzung für die Bewerbung war ohnehin ein eigens Seminarmodule zu den Werten Europas, der Europäischen Verfassung oder der Europäischen Nachbarschaftspolitik gewesen. Diese wurde in Gruppen zusammengefasst und gemeinsam konzeptionell sowie inhaltlich dahingehend bearbeitet, dass sie am nächsten Tag mit den übrigen Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmern durchgeführt werden konnten. Dieses konkrete Seminarergebnis ist in leicht aufgearbeiteter Form im Anhang beigefügt.

Europa direkt - Praxiskompetenz
An diesem vierten Seminartag wurden die erarbeiteten Module in der Praxis erprobt. Sie dienten gleichzeitig als theoretische Grundlage der Vorbereitung des nächsten Programmpunkts: der Entwicklung von weiterführenden Fragen zu den drei oben genannten Themenbereichen, mit denen die Gruppe am nächsten Tag an Expertinnen und Experten herantreten und diese fachlich kompetent diskutieren konnte.

Europa direkt - Dialogkompetenz
Der erste Experte, der mit der Gruppe zusammentraf, war Jochen Kubosch, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in München. Es entwickelte sich während des Treffens eine anspruchsvolle Diskussion, in der nicht nur Herr Kubosch Fragen beantwortete, sondern auch die Gruppe ihre Tätigkeiten im Europa-Bereich näher bringen konnte. Das zweite Expertengespräch verlief von der Methode her anders als die Podiumsdiskussion zuvor. Anita Adamczyk, Projektleiterin bei der Europäischen Bewegung in Brüssel, und Andris Gobins, der Präsident der Europäischen Bewegung Lettland, arbeiteten gemeinsam mit den Teilnehmenden in Kleingruppen zu der Thematik der Veränderungen, die die EU- Erweiterungsrunde 2004 mit sich brachte. Die Ergebnisse wurden dann abschließend im Plenum zusammengeführt und konnten einerseits die Brüsseler Perspektive und andererseits die Perspektive aus Lettland, einem neuen Mitgliedsstaat der Europäischen Union beleuchten.

In Europa für Europa - Zukunftsperspektiven
Wie die weitere Arbeit der Seminarteilnehmerinnen und Teilnehmer in Zukunft aussehen könnte, erklärte Karen Hauff, die Leiterin des Programms „In Europa für Europa“, am letzten Tag, indem sie das Kooperationsprogramm des Theodor Heuss Kollegs und der Europa Union ausführlicher vorstellte. Auch bei der Forschungsgruppe Jugend und Europa gibt im Jahr 2005 es zahlreiche Fortbildungs- und Beteiligungsmöglichkeiten - dem konkreten Engagement der Teilnehmenden für die Bildungsarbeit, auch über Grenzen der neuen Europäischen Union hinweg, steht also nichts mehr im Wege.

Eva Feldmann-Wojtachnia & Stefan John

 

Das Qualifizierungsseminar wurde von Eva Feldmann-Wojtachnia und Tamir Sinai, beide wissenschaftliche Mitarbeiter bei der Forschungsgruppe Jugend und Europa am Centrum für angewandte Politikforschung in München, in Zusammenarbeit mit Eric Wrasse, Mitarbeiter bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik e.V. geleitet. Die Veranstaltung wurde von der Robert Bosch Stiftung und der Europäischen Kommission im Rahmen der Kooperation C.I.F.E. gefördert.

Kontakt: Eva Feldmann-Wojtachnia (feldmann@fgje.de)

 

Als Download sind die Ergebnisse des Seminars, also Seminarmodule zur Auseinandersetzung mit den Europäischen Werten, zur Verfassung und zur Europäischen Nachbarschafts-politik abzurufen, die von den Seminarteilnehmenden erarbeitet und erprobt wurden:

Modul Werte 1

Modul Werte 2

Modul Nachbarschaftspolitik

Modul Verfassung (Anhang)

 

Der Seminarbericht (Text auf dieser Seite)

 

 

Links zu den Kooperationspartnern:

In Europa für Europa - ein Programm des Theodor-Heuss-Kollegs der Robert Bosch Stiftung und der Europa-Union Deutschland.

Das Theodor-Heuss-Kolleg der Robert Bosch Stiftung

Die Jungen Europäischen Föderalisten (JEF)

 

 

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